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Presseberichte Lebkuchenherzen

Nachrichten 27.09.2012, 17:00 Uhr  mittelbayerische.de

Lebkuchen-Botschaften von der Wiesn

Das Lebkuchenherz gehört zum Oktoberfest wie die Maß Bier und das Brathendl. Bei Michael Schifferl wird noch auf Wunsch verziert und geschrieben.

 

Lebkuchenherzen gehören zu jedem Volksfest dazu. Auf dem Oktoberfest kann man sie sogar noch individuell beschreiben lassen.

München. Michael Schifferl setzt die Spritze an den Lebkuchen. Mit geübten Schlenkern setzt der 53-Jährige Buchstabe für Buchstabe aus Zuckerguss. „For Theo“ prangt nun auf dem weiß-blau umrandeten Herz. Bis zu 500 Wiesn-Herzen verkaufe Schifferl pro Tag, sagt er. Schon seit 1998 ist er jährlich in seiner rosa Bude auf dem Oktoberfest dabei. Der Münchner ist einer der letzten „Herzlmaler“, die die berühmten Lebkuchenherzen noch eigens auf Bestellung verzieren. In den verlangten Sprüchen spiegelt sich auch das Seelenleben des Wiesn-Publikums.

„Es gibt schon Leute, die draufschreiben „Ich liebe mich“. Das sind dann die Vollegoisten“, sagt Schifferl. Die Kassenschlager aber seien seit Jahren: „Für meinen Schatz“ oder einfach „Ich liebe Dich“. Auch Heiratsanträge per Lebkuchen hauen Schifferl längst nicht mehr um. 40 bis 50 sind es allein während des Oktoberfestes – zuverlässige Statistiken über die Erfolgsquote dieser Botschaften gibt es nicht.

An Wünsche nach asiatischen Schriftzeichen oder kyrillischen Buchstaben hat sich der Münchner ebenfalls längst gewöhnt. Die Kunden schreiben vor, Schifferl schreibt ab. Fragen werfen dafür so manche deutsche Sprüche auf. Ein neuer Kundenwunsch wird in die Stube gereicht: „Für meine Erstverkäuferin“ soll Schifferl schreiben. Er macht es, fragt sich aber auch, was das zu bedeuten hat. „Da fängt das Rätselraten schon an.“ Bei anderen Sprüchen, oft auch denen mit recht eigenwilligen Kosenamen, verliert Schifferl auch schon mal seine Ernsthaftigkeit.

Das Oktoberfest-Herz ist einer der Klassiker auf dem größten Volksfest der Welt und gehört genauso dazu wie die Maß Bier oder das halbe Hendl. „Es kommt von Herzen“, meint Wiesn-Sprecherin Gabriele Papke. Dabei sei es vor allem die wortlose Geste, die das Herz zum Dauerbrenner mache: „Es sagt etwas aus, ohne dass man sprechen muss. Und es ist ein Souvenir.“ Über 100 Stände auf der Theresienwiese verkaufen die Süßigkeit, die übrigens noch bis zu zwei Jahre nach dem Kauf essbar ist – wenn man den Verzehr überhaupt übers Herz bringt.

 

Wiesn-Jobs im Test: Herzlmalerin Der Krampf mit dem Zuckerguss

Tipps vom Herzlmalermeister: Micheal Schifferl zeigt SZ.de-Mitarbeiterin Andrea Lindner, wie's geht.

45 Euro für ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift "Arschloch"? Kein Problem! Michael Schifferl ist einer der letzten Herzlmaler auf dem Oktoberfest. Unsere Autorin hat bei ihm zu lernen versucht - und dabei mehr genascht als geholfen.

Von Andrea Lindner

Hendlbrater, Straßenfeger, Sanitäter: Während des Oktoberfests testen wir Wiesnjobs. Für Folge 5 war unsere Autorin bei einem Herzlmaler.

Michael Schifferl schreibt Geschichten aus Zuckerguss. Sie handeln meist von Liebenden und Heiratsanträgen. Manchmal aber auch von weniger angehnehmen zwischenmenschlichen Beziehungen. "Einmal Arschloch, bitte!", sagt ein Mann mit Lederhose und rotem Kopf. Wie bitte? "Ich möchte ein Herz mit großem Arschloch-Schriftzug für meinen Schweigervater. Und bitte in Schweinchenrosa - damit es richtig bescheuert aussieht."

Schifferl nickt. Er ist einer der letzten Herzlmaler auf dem Oktoberfest; an die 500 Lebkuchenherzen verzieren er und seine beiden Mitarbeiter täglich in ihrem Wagen direkt vor dem Weinzelt. Die fertigen Bestellungen hängen an der Rückwand der Verkaufstheke, in der Auslage stapeln sich Rohlinge in allen erdenklichen Größen - 1,6 Kilogramm wiegt das größte Herz im Sortiment.

Der Chef begrüßt mich vor seinem pinken Stand, den ein Lebkuchenherz aus Plastik ziert. Ich will mich heute als Herzlmalerin probieren - und hoffe, wenigstens eines meiner Werke verkaufen zu können. Schifferl, 54, nimmt mich mit in den hinteren Teil des Wagens - in seine Herzlmalstube. Er greift zur Zuckergussspritztüte, zieht die Augenbrauen hoch und schreibt mit gekonnten Schwüngen "Arschloch" auf ein großes Herz. "Wir haben oft solch außergewöhnliche Wünsche", sagt er, während er den Plastikbeutel mit beiden Händen fest zusammendrückt. "Ich habe aufgehört, darüber nachzudenken." 45 Euro wird der Kunde am Ende zahlen, wenn er sein Herzerl eine halbe Stunde später abholt - nicht gerade wenig für ein bisschen Teig mit Zuckerguss.

Am liebsten schreibt Michael Schifferl Liebesgeschichten. 40 bis 50 Heiratsanträge malt er jedes Jahr allein während des Oktoberfests auf Lebkuchenherzen. An einen kann er sich noch besonders gut erinnern: "Das war vor vier oder fünf Jahren. Ein fescher Bursche in Lederhose wollte ein Riesenherz mit einem Heiratsantrag", erzählt er. "Kurz darauf kam sein Mädel und kaufte ein Herz mit 'Ja'." Zwei Monate später baten ihn die beiden, die Tischkarten für die Hochzeit zu backen.

In Schifferls Backstube direkt neben dem Stand duftet es nach Weihnachten, Honig und frischem Teig. Denn auf der Wiesn werden die Herzen täglich frisch gebacken. Augenblicklich bekomme ich Lust zu naschen, doch ich muss erst zeigen, was ich kann. "Ich hoffe, du hast Muskeln", murmelt der Herzlmaler und mustert mich. "Das Drücken ist auf Dauer sehr anstrengend." Man sieht das an seiner rechten Pranke: Sie ist deutlich kräftiger als die linke. Wichtiger aber ist die Übung: "Bei den meisten dauert es ein Jahr, bis sie es können", sagt Schifferl, "andere schaffen es nie".

Die Soße läuft vom Herz herunter

Ach, das kann doch nicht so schwer sein, denke ich und befülle eine Spritztüte mit blauem Zuckerkuss. "Der Rand des Herzls ist für den Anfang einfacher", sagt Schifferl. Aber es fällt mir schwer, die Masse gleichmäßig zu verteilen. Entweder bin ich zu langsam, dann wird die Bordüre viel zu dick - oder ich bin zu schnell, dann bricht der Faden ab. Und wenn ich nicht aufpasse, läuft die Soße vom Lebkuchenherz herunter. Beim Schreiben, der Königsdisziplin, wird es nicht besser: Ich verkrampfe, die Buchstaben sehen aus, als ob sie ein Erstklässler hingekritzelt hätte. Lesen kann man mein Gekrakel nicht. Ob das jemand haben will?

Neuer Versuch mit einem neuen Rohling: "Spa...", schreibe ich. "Ha!", ruft Schifferl. "Ein typischer Hap!" Ein was? Der Chef zeigt auf eine Postkarte über dem Eingang. Darauf ist eine Geburtstagstorte zu sehen mit einem Schriftzug - aus drei ziemlich großen Buchstaben: "Hap", steht da - eigentlich sollte daraus ein "Happy Birthday" werden. "Alles Gefühlssache. Das kommt mit der Zeit", beruhigt mich Schifferl. Das hilft mir nicht weiter. Geknickt schaue den anderen bei der Arbeit zu.

"Aller Anfang ist schwer": Das perfekte Herz zu malen, ist nicht einfach. Manche schaffen es nie.

Micheal Schifferl öffnet den Backofen - wieder dieser Duft, wieder dieses Verlangen. "Ich esse fast nie Lebkuchen", sagt er. "Aber wenn sie noch ganz frisch und heiß sind, kann ich manchmal nicht wiederstehen." Ich auch nicht.

Dann aber soll ich noch einmal zeigen, was ich gelernt habe. Wirklich gerüstet fühle ich mich nicht. Ich nehme ein extra großes Herz und die dünnste Spritze - so kann ich ein bisschen schummeln. "Aller Anfang ist schwer" male ich auf mein Meisterstück. "Du machst das wirklich gut. Ich habe schon viele scheitern sehen. Du bist im besseren Drittel", lobt mich der Chef. Verkaufen mag er mein Herzl trotzdem nicht.

Eine Herzlmalerin werde ich also nicht. Zum Abschluss bekomme ich einen Rohling - zum Üben für zu Hause. Der wird bei mir sicher leer bleiben, denke ich, als ich den Wagen verlasse. Herzlmalen gehört nicht zu meinen Talenten. Noch auf dem Nachhauseweg landet die Hälfte des Herzens in meinem Magen. Und das ist doch seine eigentliche Bestimmung.

 


Oktoberfest-Lebkuchen Dein ist mein ganzes Herz

"Weltbeste Sandra", "Stefan, du Depp": Was aus den Lebkuchen-Botschaften der Festbesucher zu erfahren ist.

Von Margita Feldrapp

Das größte Lebkuchen-Herz soll's sein, mit weiß-blauem Rand und grünen Zucker-Blümchen. Fast dreißig Euro ist der jungen Frau das essbare Wiesn-Accessoire wert. Dabei würde ihre Lebkuchenbotschaft auf jedes kleinere Herz passen.

Oktoberfest-Lebkuchen

Soll manchmal sogar einen Heiratsantrag auf Herzen malen: Lebkuchenmaler Michael Schifferl

(Foto: Foto: SZ/Rumpf)

Herzelmaler Michael Schifferl schmunzelt. Wortlos rührt er in der klebrig-zähen Zuckermasse, presst sie in den Spritzbeutel und drückt ihn kraftvoll zusammen. Den weißen Puderzuckerwulst formt er zu zwei geschwungenen Buchstaben: "Ja".

Schifferl weiß viel mehr über die Kundin, als sie ahnt. Sie heißt Stephi und hat gerade eine der wichtigsten Entscheidung ihres Lebens getroffen. Vielleicht wird sie schon in ein paar Monaten vor dem Traualtar stehen.

Erst vor einer Viertelstunde war ein junger Mann an Schifferls Stand: etwa so alt wie Stephi, ebenso kauffreudig und mit einer klaren Vorstellung, was auf sein Riesenherz soll: "Stephi, willst du mich heiraten?"

Ich Chef, du nix

Lebkuchenmaler Schifferl ist Experte in Sachen Anbandeln auf der Wiesn. Von neun Uhr bis Mitternacht steht er mit etwa neun Mitarbeitern in seinem Stand. Die Musik aus dem Löwenbräuzelt dröhnt herüber. Nach links sieht er bis zum Paulaner, nach rechts bis zum Café Deistler.

Raus kommt er selten, aber das macht nichts, sagt der 47-Jährige. Er kenne ohnehin jedes Eck auf dem Oktoberfest. Als Säugling war er im Schießstand seiner Eltern dabei. Später hatte er mal eine Schiffschaukel, ein paar Jahre eine Imbissbude. Er erinnert sich noch an die sechziger Jahre, als Ponyreiten eine der Hauptattraktionen war, an den ersten Dreier- und dann den Fünfer-Looping.

"Immer verrückter und immer teurer", sinniert Schifferl, "aber das Traditionelle ist geblieben." Zum Beispiel in seiner Herzelmalerei, die er seit acht Jahren betreibt. Das einzige technische Gerät im Blechanbau des Verkaufswagens ist eine Verpackungsmaschine, die die Folie um das frisch bemalte Herz schweißt.

Und gerade dort, wo sich der Lebkuchenduft mit dem Geruch von heißem Plastik vermischt - da ist das Herz der Wiesn, davon ist Schifferl überzeugt: "Hier in meiner Bude hab' ich den ganzen Wiesn-Wahnsinn", sagt er.

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Herz an Herz - Lebkuchen-Botschaften von der Wiesn (Foto)
Herz an Herz - Lebkuchen-Botschaften von der Wiesn Bild: dpa

München - Das Lebkuchenherz gehört zum Oktoberfest wie die Maß Bier und das Brathendl. Meist kommt die Ware von der Stange, bei Michael Schifferl aber wird noch auf Wunsch verziert und geschrieben.

 

Michael Schifferl setzt die Spritze an den Lebkuchen. Mit geübten Schlenkern malt der 53-Jährige Buchstaben aus Zuckerguss. «For Theo» prangt nun auf dem weiß-blau umrandeten Herzen. Bis zu 500 Wiesn-Herzen verkaufe Schifferl pro Tag, sagt er. Schon seit 1998 ist er jährlich in seiner rosa Bude auf dem Oktoberfest dabei. Der Münchner ist einer der letzten «Herzlmaler», die die berühmten Lebkuchenherzen noch eigens auf Bestellung verzieren. In den verlangten Sprüchen spiegelt sich auch das Seelenleben des Wiesn-Publikums.

«Es gibt schon Leute, die draufschreiben "Ich liebe mich". Das sind dann die Vollegoisten», sagt Schifferl. Die Kassenschlager aber seien seit Jahren: «Für meinen Schatz» oder einfach «Ich liebe Dich». Auch Heiratsanträge per Lebkuchen hauen Schifferl längst nicht mehr um. 40 bis 50 sind es allein während des Oktoberfestes - zuverlässige Statistiken über die Erfolgsquote dieser Botschaften gibt es nicht.

An Wünsche nach asiatischen Schriftzeichen oder kyrillischen Buchstaben hat sich der Münchner ebenfalls längst gewöhnt. Die Kunden schreiben vor, Schifferl schreibt ab. Fragen werfen dafür so manche deutsche Sprüche auf. Ein neuer Kundenwunsch wird in die Stube gereicht: «Für meine Erstverkäuferin» soll Schifferl schreiben. Er macht es, fragt sich aber auch, was das zu bedeuten hat. «Da fängt das Rätselraten schon an.» Bei anderen Sprüchen, oft auch denen mit recht eigenwilligen Kosenamen, verliert Schifferl auch schon mal seine Ernsthaftigkeit.

Das Oktoberfest-Herz ist einer der Klassiker auf dem größten Volksfest der Welt. «Es kommt von Herzen», meint Wiesn-Sprecherin Gabriele Papke. Dabei sei es vor allem die wortlose Geste, die das Herz zum Dauerbrenner mache: «Es sagt etwas aus, ohne dass man sprechen muss. Und es ist ein Souvenir.» Über 100 Stände auf der Theresienwiese verkaufen die Süßigkeit, die übrigens noch bis zu zwei Jahre nach dem Kauf essbar ist - wenn man den Verzehr überhaupt übers Herz bringt.

Beliefert werden die Buden unter anderem von der Konditorei «Zuckersucht» aus Aschheim bei München. Die Firma liefert im Moment täglich etwa 40 000 fertige Herzen mit 120 verschiedenen Sprüchen aus - die gehen nicht nur nach München, sondern werden europaweit verschickt, erzählt Inhaber Bernd Dostler. «Es ist gerade einfach überall Oktoberfest.»

Den Anteil seiner Firma an den Wiesn-Herzen schätzt Dostler auf 40 Prozent. Der Trend gehe dabei zu immer größeren Herzen: «Der Druck aus der Damenwelt ist hier natürlich enorm, denn das größte Spatzl will natürlich das größte Herz haben.» Die Männer müssten dann halt zahlen.

Die größten Herzen, die vor Michael Schifferls Laden auf dem Oktoberfest hängen, wiegen stattliche 1,6 Kilo und haben einen Durchmesser von 60 Zentimetern. Einige würden von Männern gekauft, die alleine auf dem Oktoberfest feierten. Nach drei Maß und dem einen oder anderen Flirt zu viel packe sie schon einmal das schlechte Gewissen. «Wenn man mit einem Herzl zu Hause ankommt, ist das dann gar nicht mehr so schlimm.» Schifferl weiß um die friedensstiftende Wirkung seiner Lebkuchen.

Selbst im Angesicht des Todes sind seine Künste gefragt. Ein Mann habe einmal 50 Herzen im Auftrag seiner Mutter bestellt. Die Frau lag im Sterben und wollte Angehörige und Pfleger ein letztes Mal beschenken. Der Spruch lautete «Ich bin dann mal weg».

 


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